Veröffentlicht: April 2020 | DOI: https://www.egi.co.uk/
Autor: Stephanie Taylor

Eindämmung von Viruskrankheiten: Es kommt auf das Innere von Gebäuden an


Laut Dr. Stephanie Taylor müsse mehr Augenmerk auf die Raumluftfeuchte gelegt werden, um über die Luft übertragbare Krankheiten, wie zum Beispiel Covid-19, zu bekämpfen.

Wenn es um Luftqualität und Klima geht, denkt man meistens nur an das Außemklima. Und wenn man den Einfluss oder Wert eines Gebäudes betrachtet, berücksichtigt man dabei hauptsächlich die Immobilienwerte, die ästhetischen Eigenschaften und den Energieverbrauch.

Die Richtlinien zur Immobilienplanung berücksichtigen im Allgemeinen selten die Beziehung zwischen dem Inneren der Gebäude und der Gesundheit der Bewohner – doch zu wessen Lasten?

Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass eine konstante Raumluftfeuchte von 40 bis 60% ein effektiver Kontrollmechanismus gegen Infektionen für aerogen (über die Luft) übertragene Keime und Viren ist. Maßnahmen die dazu dienen, die Raumluft für die Bewohner gesunderhaltener zu machen – unabhängig davon ob es sich um ein Krankenhaus, eine Schule oder Büroräume handelt – scheinen auf der Prioritätenliste von Planern wie auch Regierungen relativ weit unten zu stehen.

 

Der Zusammenhang zwischen Raumluftfeuchte und körperlicher Gesundheit

Studien haben gezeigt, dass die Raumluftfeuchte einen Einfluss auf die Ausbreitung von Krankheiten haben kann. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, müssen wir zunächst nachvollziehen, inwiefern Gebäude nicht nur zur Überlebensfähigkeit, sondern auch zur Ausbreitung von Bakterien und Viren beitragen.

Dies ist mit den Bedingungen eines Raumklimas verknüpft – die anhand von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Baustoffen bestimmt werden und ein Mikroklima schaffen. Während die genaue Temperatur und Luftfeuchtigkeit dieses Raum-Mikroklimas von dem individuellen Gebäude abhängen, ist das Ergebnis nicht von den äußeren Klimabedingungen abhängig.

Beim Aufenthalt in einem Gebäude geben Menschen pro Stunde rund 37 Mio. Bakterien und Viren an die Umgebungsluft oder auf Oberflächen ab. Dadurch entwickelt sich ein eigenes Mikrobiom, das sich den menschlichen Vorlieben für Raumtemperaturen und einer allgemein niedrigeren relativen Luftfeuchtigkeit anpasst. Somit nimmt das Raumklima in einem Gebäude direkten Einfluss auf die Population an Mikroben und Viren, welche dann wiederum Auswirkungen auf die Gesundheit der Gebäudenutzer haben. Das Raumklima wird somit zu einem bedeutenden Gesundheits- und Krankheitsfaktor.

 

Ein schwieriger Balanceakt

Aus medizinischer Sicht sind nicht die niedrigen Temperaturen ausschlaggebend für saisonale Winterkrankheiten, sondern die nicht optimale Raumluftfeuchte. Der Zusammenhang mit der Temperatur entsteht dort, wo wir kühle, winterliche Außenluft in Gebäude belassen und sie ohne zusätzliche Befeuchtung erwärmen. Dann sinkt die Raumluftfeuchte auf einen gefährlich niedrigen Wert.

Kühle Luft transportiert wenig Wasserdampf. Wenn diese Außenluft nach innen gelangt und sich erwärmt, kann die daraus resultierende relative Luftfeuchtigkeit auf unter 20% sinken. Diese trockene Luft fördert die Ausbreitung von Krankheiten, wie zum Beispiel das Coronavirus, und beeinträchtigt unsere Möglichkeit, solch ein Virus zu bekämpfen.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der optimale Wert der relativen Luftfeuchtigkeit (r. F.) für den menschlichen Organismus zwischen 40 und 60% liegt. Tatsächlich funktioniert unser Immunsystem am besten bei einer r. F. von 50%. Das bedeutet unser Körper ist besser gewappnet, um Viren zu bekämpfen. In der Luft vorhandene Viren werden in diesem Luftfeuchtigkeitsbereich außerdem schneller deaktiviert. Wir wissen, dass Viren – zum Beispiel Influenza- und Coronaviren – am längsten in trockener Luft mit einer r. F. von weniger als 40% überleben.

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die meisten öffentlichen Gebäude – z. B. Krankenhäuser, Schulen, Pflegeheime und Büros – diesen Mindestwert an Luftfeuchtigkeit nicht erfüllen. Das kann auch an den geltenden Standards liegen – Es gibt Vorgaben für das Raumklima in Bezug auf Temperatur, Frischluftzufuhr und Schadstoffe, es sollte aber ebenso eine Vorgabe für die relative Luftfeuchtigkeit in öffentlichen Gebäuden geben. Vorgeschriebene Mindestwerte für Krankenhäuser, Büros und andere öffentliche Gebäude könnten nicht nur die Krankheitsverbreitung bei zukünftigen Pandemien eindämmen, sondern auch die allgemeine Belastung durch saisonale Krankheiten für die Gesellschaft und die Menschen verringern.

Angesichts der gegenwärtigen Regulierungen zur Reduzierung des Energieverbrauchs verdeutlicht Covid-19, dass wir Gebäudestandards benötigen, welche die negativen Gesundheitsfolgen, die durch größtenteils luftdichte moderne Gebäude entstehen, reduziert. Wir müssen somit die ungewollte Konsequenz bekämpfen, dass sich akute und chronische Krankheiten verschlimmern.

Dazu müssen politische Entscheidungsträger, Planer, Architekten und Bauträger nicht nur den Zusammenhang zwischen Gebäuden, Außenklima und Energieverbrauch verstehen, sondern auch den hohen Einfluss, den das Innere von Gebäuden auf die Gesundheit der Bewohner haben kann.

Dr. Stephanie Taylor MD M.Arch CIC ist Ärztin und Architektin

 
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"Ergreifen Sie Maßnahmen und unterstützen Sie mich im Kampf gegen Atemwegsinfektionen! Eine relative Luftfeuchtigkeit von 40-60% in Gebäuden wird Atemwegsinfektionen verringern und Leben retten".

 

Dr. Stephanie Taylor,

Beraterin für Infektionskontrolle an der Harvard Medical School
ASHRAE Distinguished Lecturer & Mitglied der ASHRAE Epidemic Task Group, ihre Petition finden Sie unter
www.40to60RH.com.



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